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Lunge
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Die Lunge (lateinisch Pulmo) ist ein paariges Organcite-ref-1[1] der Atmung; sie erfĂŒllt den Zweck, eine groĂe OberflĂ€che fĂŒr den Gasaustausch zwischen Luft und Blut herzustellen. Echte Lungen kommen bei vielen luftatmenden Wirbeltieren vor, so bei den meisten landlebenden Wirbeltieren und manchen Fischen wie z. B. den Lungenfischen. Der Mensch hat zwei Lungen (Pulmo dexter fĂŒr die rechte Lunge und Pulmo sinister fĂŒr die linke), die im Deutschen auch als LungenflĂŒgel oder LungenhĂ€lften bezeichnet werden. Die linke ist in zwei und die rechte in drei Lungenlappen unterteilt. Der Gasaustausch geschieht auf Ebene der LungenblĂ€schen, die als Endstrukturen verĂ€stelter Luftwege mit der Luftröhre verbunden sind.
Durch Ein- und Ausatmen wird frische Luft an die Blut-Luft-Schranke herangefĂŒhrt; dies ist keine Leistung der Lunge selbst (die SĂ€ugetierlunge besitzt keine Muskulatur), sondern des Zwerchfells und der Zwischenrippenmuskulatur. Der Pleuraspalt, dessen FlĂŒssigkeitsfilm KrĂ€fte ĂŒber Ad- und KohĂ€sion ĂŒbertrĂ€gt, vermittelt die verschiebliche Lagerung der Lungen im Brustkorb; da sie bei dessen Ausdehnung die Tendenz haben, sich zusammenzuziehen, herrscht im Pleuraspalt ein Unterdruck.
Die Lungen entstehen embryonal als AusstĂŒlpungen des Vorderdarms (siehe Kiemendarm) und gleichen zunĂ€chst DrĂŒsen. Die Amphibien besitzen einfache Lungen; sie sind sackförmig und glattwandig oder nur schwach gekammert. Viel stĂ€rker gekammert sind sie bei den Reptilien. Bei Vögeln sind sie relativ klein, aber wegen der zusĂ€tzlich vorhandenen LuftsĂ€cke auch viel komplizierter gebaut. Die Lungen der SĂ€ugetiere Ă€hneln denen der Reptilien.
Contents
âą Etymologie
âą Feinbau
âą Gasaustausch
âą BlutgefĂ€Ăe
âą Erkrankungen
âą Vogellunge
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Etymologie
Das deutsche Wort Lunge stammt ĂŒber seine althochdeutsche Form lunguna letztlich von der indogermanischen Wurzel *lenguÌŻh âleicht (in Bewegung und Gewicht)â ab, sodass von der ursprĂŒnglichen Bedeutung als âdie Leichteâ ausgegangen werden kann. Sprachwissenschaftler erklĂ€ren die Benennung mit dem bereits vor langer Zeit festgestellten PhĂ€nomen, dass die Lunge eines geschlachteten Tieres als einziges Organ auf dem Wasser oben schwimmt.cite-ref-2[2]cite-ref-3[3] Der medizinisch-lateinische Fachbegriff pulmo geht auf eine alternative Schreibweise des griechischen Wortes fĂŒr Lunge zurĂŒck: altgriechisch ÏλΔÏÎŒÏΜ (pleumon), dessen standardsprachliche Schreibweise ÏΜΔÏÎŒÏΜ (pneumon) u. a. dem Wort Pneumonie (= LungenentzĂŒndung) zugrunde liegt.
Die Lunge der SĂ€ugetiere
Beide Lungen der SĂ€ugetiere, auch als LungenflĂŒgel bezeichnet, sind beweglich im Brustraum (Thorax) eingebettet. Mehr oder weniger tiefe Einschnitte teilen die Lunge in Lungenlappen (Lobi). Die OberflĂ€che der Lungen ist von einer glatten Auskleidung (Tunica serosa) ĂŒberzogen, die in der Brusthöhle als Brustfell (Pleura) bezeichnet wird und unterteilt wird in Lungenfell (Lungenpleura) und Rippenfell (Thoraxpleura). Zwischen dem BrustfellĂŒberzug der Lunge und der Brustfellauskleidung der Brusthöhle liegt der Pleuraspalt, ein mit wenig FlĂŒssigkeit ausgefĂŒllter Spaltraum, in dem ein Unterdruck herrscht.
Aufbau der menschlichen Lunge
Die menschliche Lunge, als typische SĂ€ugetierlunge, besteht aus zwei vom Mediastinum getrennten LungenflĂŒgeln. Dabei entspricht der rechte LungenflĂŒgel der rechten Lunge (Pulmo dexter), der linke LungenflĂŒgel der linken Lunge (Pulmo sinister). Jeder LungenflĂŒgel wird durch tiefe, von Pleura ausgekleideten Furchen in so genannte Lungenlappen (Lobi pulmonales) unterteilt. Der rechte LungenflĂŒgel teilt sich in drei Lappen (Oberlappen oder Lobus superior, Mittellappen oder Lobus medius und Unterlappen oder Lobus inferior), der linke LungenflĂŒgel in lediglich zwei Lappen (Oberlappen und Unterlappen) auf.cite-ref-4[4] Die Lungenlappen wiederum werden in Lungensegmente (Segmenta bronchopulmonalia) unterteilt. Dabei handelt es sich um durch BindegewebsstraĂen abgegrenzte und von eigenen Bronchien und Arterien versorgte Lungenabschnitte. Die Bezeichnung der Segmente erfolgt entsprechend der Zuordnung zum versorgenden Bronchialast. 10 Segmente finden sich in der rechten Lunge. Im linken FlĂŒgel gibt es nur 9 Segmente, da das 7. Segment fehlt. Der linke LungenflĂŒgel ist etwas kleiner als der rechte, da auf der linken Seite das Herz einigen Raum einnimmt. Dabei bestehen der rechte Lungenoberlappen aus dem apikalen, dem posterioren und dem anterioren Oberlappensegment sowie der Mittellappen (nur rechts) aus dem lateralen und dem medialen Mittellappensegment (Segmente 4 und 5). Es folgen das apikale Unterlappensegment (6er Segment) sowie die vier basalen Unterlappensegmente rechts (mediobasal, anterobasal, laterobasal, posterobasal). Auf der linken Seite besteht der Oberlappen aus den Segmenten 1 bis 3, Namensgebung wie im rechten Oberlappen, sowie aus den beiden Lingulasegmenten (4, 5) (superiores und inferiores Lingulasegment). Es folgen das apikale Unterlappensegment (6er Segment) sowie die drei basalen Unterlappensegmente: anterobasal, laterobasal und posterobasal (Segmente 8 bis 10). Das mediobasale Segment fehlt.
Dass die funktionelle Lungeneinheit nicht der Lungenlappen, sondern das Lungensegment ist, hatte der amerikanische Chirurg Richard H. Overholt in Boston erkannt.cite-ref-5[5]
Die LungenflĂŒgel liegen in der Brusthöhle. Oben ĂŒberragt die Lungenspitze um etwa 1â2 cm das SchlĂŒsselbein, unten liegt die Lunge dem Zwerchfell auf, dessen Lage sehr variabel ist und vorrangig von der Atemstellung und der Körperlage (im Liegen höher als im Sitzen) abhĂ€ngt. Grob kann man sagen, dass in der Atemruhestellung die LungenrĂ€nder auf der Bauchseite in Höhe der 6. Rippe, seitlich in Höhe der 8. Rippe und auf der RĂŒckenseite in Höhe der 10. Rippe zu liegen kommen. Dieser Unterschied ergibt sich aus der schrĂ€gen Zwerchfellansatzlinie.
Die linke Lunge ist allgemein kleiner, weil ihr das Herz zum gröĂten Teil aufliegt. Dadurch und bedingt durch die Aufspaltung der Luftröhre in die Hauptbronchien, sodass der linke Luftröhren-Bronchien-Winkel kleiner ist als der rechte, wird die rechte Lunge in der Regel besser belĂŒftet. Der Winkel, der von der Trachea und dem rechten Hauptbronchus eingeschlossen wird, ist gröĂer als jener zwischen Trachea und linkem Hauptbronchus. Dies hat Konsequenzen bei der Aspiration von Fremdkörpern: Diese gelangen meistens in den rechten Hauptbronchus. Das Lungenvolumen eines erwachsenen Menschen betrĂ€gt durchschnittlich 5 bis 6 Liter.
Feinbau
Das Gewebe der Lungen kann in einen luftfĂŒhrenden Teil und einen Teil, in dem der tatsĂ€chliche Gasaustausch stattfindet, unterteilt werden. Die luftfĂŒhrenden Bronchien enden in blind endenden SĂ€ckchen, den LungenblĂ€schen (Alveolen). In diesen findet der Gasaustausch statt.
Die Gesamtheit des luftleitenden Systems wird als Bronchialsystem (Bronchialbaum) bezeichnet. Von innen nach auĂen finden sich verschiedene Schichten. Das Epithel (Deckgewebe) besteht zu Beginn noch, wie in der Luftröhre, aus mehrreihigem, hochprismatischem Flimmerepithel, doch nĂ€her an den Alveolen vereinfacht sich die Struktur, und in den Bronchiolen ĂŒberwiegt einschichtiges iso- oder hochprismatisches Flimmerepithel. In der darunter liegenden Lamina propria findet sich glatte Muskulatur, deren Anteil zu den Alveolen hin zunimmt. Weiterhin enthĂ€lt sie eine Vielzahl elastischer Fasern sowie muköse und seröse DrĂŒsen, deren AusgĂ€nge in den Bronchus öffnen und die die SchleimhautoberflĂ€che mit einem Schutzfilm ĂŒberziehen. Ganz auĂen findet sich in den groĂen Bronchien hyaliner Knorpel, der gewĂ€hrleistet, dass die Luftwege offen bleiben. Je kleiner der Durchmesser der Bronchien wird, umso geringer wird der Anteil der Knorpelmasse, bis sich nur noch kleine Inseln finden.
Zusammen mit den Bronchien verlaufen auch die Arterien und Venen des Lungenkreislaufs sowie die Nervenfasern des Plexus pulmonalis.
Gasaustausch
Siehe auch
:
Lungenkreislauf
Die Oxygenierung des Blutes und die CO2-Abgabe erfolgt in den Alveolen. Diese etwa 300 Millionen sackartigen Erweiterungen (beim erwachsenen Menschen) haben einen Durchmesser von ca. 200 ÎŒm. Die von ihnen gebildete FlĂ€che wird als Respiratorische FlĂ€che bezeichnet. Die Alveolen bestehen aus den kleinen Alveolarzellen oder Pneumozyten Typ I, die weniger als 0,1 Mikrometer dick sein können und das Epithel der Alveolen bilden, und den groĂen Alveolarzellen oder Pneumozyten Typ II, die Surfactant produzieren. Der Anti-Atelektase-Faktor reduziert die OberflĂ€chenspannung gegen ein in sich Zusammenfallen. Weiterhin finden sich noch Alveolarmakrophagen (Fresszellen), die aus dem Blut stammen und Mikroben sowie Staub phagozytieren (Staubzellen) oder nach Blutungen HĂ€mosiderin, ein Abbauprodukt des Blutfarbstoffes HĂ€moglobin, aufnehmen (Herzfehlerzellen).
Zwischen Luft und Blut befindet sich eine dreischichtige Trennwand, die Blut-Luft-Schranke. Sie wird vom Epithel der Alveolen, der epithelialen und der endothelialen Basalmembran sowie dem Endothel der Kapillaren gebildet und ist zwischen 0,1 und 1,5 ÎŒm dick.
Da die Interzellularkontakte des Kapillarendothels fĂŒr FlĂŒssigkeit durchlĂ€ssiger sind als die der Alveolarzellen, kann bei HerzschwĂ€che FlĂŒssigkeit in das Bindegewebe austreten und zu einem interstitiellen Ădem (Lungenödem) fĂŒhren.
Das Bindegewebe zwischen den Bronchien und Alveolen enthĂ€lt die Aufzweigungen der Lungenarterien und -venen. Die Aufzweigungen der Lungenarterie fĂŒhren das Blut zu den Alveolen. Der Lymphabfluss erfolgt ĂŒber die Lungenlymphknoten (Nll. pulmonales) und dann in die Tracheobronchiallymphknoten (Nll. tracheobronchiales).
BlutgefĂ€Ăe
Die Durchblutung der Wand der LungenblĂ€schen erfolgt ĂŒber die Kapillaren des Lungenkreislaufes (Vasa publica, âöffentliche GefĂ€Ăeâ). Das ĂŒbrige Gewebe, also die Umgebung der Bronchien und die Bindegewebssepten, versorgen BronchialgefĂ€Ăe (Rami bronchiales, Vasa privata, âEigengefĂ€Ăeâ) aus dem Körperkreislauf. Die Rami bronchiales fĂŒr die linke Lunge (meist zwei) entspringen direkt aus der Brustaorta. Die BronchialĂ€ste der rechten Lunge entspringen aus einem Stamm der dritten oder vierten hinteren Zwischenrippenarterie. Beide GefĂ€Ăsysteme bilden in der Peripherie hĂ€ufig Anastomosen.cite-ref-frick-6-0[6]
Die meisten Bronchialvenen mĂŒnden in die Lungenvenen, die hilumnahen Venae bronchiales dagegen rechts in die Vena azygos, links in die Vena hemiazygos.cite-ref-frick-6-1[6] Blut, das aus den Bronchialarterien in die Pulmonalvenen gelangt, bewirkt zusammen mit Blut aus KoronargefĂ€Ăen, die ins linke Herz mĂŒnden (Vv. cardiacae minimae), einen kleinen, physiologischen Rechts-links-Shunt. Zusammen mit funktionellen KurzschlĂŒssen im Lungenkreislauf (Durchblutung nicht belĂŒfteter Lungenanteile) erklĂ€rt dies den gegenĂŒber den Alveolen kleineren Sauerstoffpartialdruck in den Arterien des Körperkreislaufs.
Ontogenetische Entwicklung
Siehe auch
:
Blutkreislauf des Menschen und der SĂ€ugetiere#Der Blutkreislauf vor und nach der Geburt
Die Lunge ist das einzige Organ, dessen FunktionsfĂ€higkeit, solange der Fötus noch in der GebĂ€rmutter ist, nicht ĂŒberlebensnotwendig ist. Erst nach der Geburt (dann allerdings innerhalb von Sekunden) ĂŒbernimmt sie ihre hauptsĂ€chliche Funktion. Trotzdem kommt ihr vor der Geburt eine wichtige Rolle zu: Die Lunge produziert tĂ€glich bis zu 15 ml AmnionflĂŒssigkeit je kg Körpergewicht.
Die Entwicklung der Lunge beginnt etwa am 30. Tag mit der Ausbildung der Lungenknospe aus dem ventralen (bauchseitigen) Teil des Vorderdarms. Wie bei diesem ist das Epithel, das die Lunge und ihren luftleitenden Apparat (Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien) auskleidet, entodermalen Ursprungs. Im Gegensatz dazu entstammt das Muskel- und Knorpelgewebe dem Mesoderm, das das Darmrohr umgibt.
Die Lungenknospe teilt sich dann weiter in eine rechte und eine linke Aufzweigung (die spĂ€teren Hauptbronchien). Weiter teilt sich die rechte Aufzweigung in drei weitere Aufzweigungen, die linke in zwei. Jede dieser fĂŒnf weiteren Aufzweigungen bildet spĂ€ter einen Lungenlappen (Lobus pulmonis). Von der 5. bis zur etwa 17. Woche wird der gesamte spĂ€ter luftleitende Teil der Lungen angelegt, also die weiteren Verzweigungen der Bronchien bis hin zu den Bronchioli terminales. Vorerst ist dieser nur von hochprismatischem Epithel ausgekleidet, ab der 13. Schwangerschaftswoche finden sich jedoch erste Flimmerepithelzellen. Zellen des Epithels beginnen AmnionflĂŒssigkeit zu produzieren.
In der 16. bis zur 26. Woche bilden sich aus den Enden der Bronchioli terminales die Canaliculi, aus denen das Lungenparenchym hervorgeht. Letzteres ist das Funktionsgewebe der Lunge, in dem nach der Geburt der Gasaustausch vonstattengeht. Eine fĂŒr das Lungenparenchym typische Zellsorte sind Pneumozyten Typ II, die Surfactant ausscheiden. Einige Pneumozyten Typ II differenzieren sich zu Pneumozyten Typ I, und Kapillaren dringen in das entstehende Lungenparenchym ein. Die Wand der Kapillaren und die Membran der Pneumozyten Typ I bilden spĂ€ter die Blut-Luft-Schranke, wenn ab der 28. SSW Surfactant (â Lungenreifung) gebildet wird.
Im letzten Trimester der Schwangerschaft bilden sich die Canaliculi zu weiteren Aufzweigungen um, die letztlich als Sacculi blind enden. Alle diese Aufzweigungen des Lungenparenchyms sind mit Pneumozyten vom Typ I und Typ II ausgekleidet. Die WĂ€nde der Sacculi und teilweise der vorgeschalteten Aufzweigungen stĂŒlpen sich zu halbkugeligen Alveoli aus. Wie die vorherigen VorgĂ€nge vergröĂert dies die von Parenchym bedeckte OberflĂ€che erheblich. Störungen dieser Entwicklung können zu einer Lungenfehlbildung fĂŒhren. Ein Neugeborenes hat weit weniger Alveoli als ein Erwachsener. Die Bildung der Alveoli wird erst im Kindesalter abgeschlossen.
Bis kurz nach der Geburt enthalten die Lungen Fruchtwasser; dann vergröĂert der Muskelapparat an den Rippen und des Zwerchfells das Volumens des Brustkorbs und infolge des gröĂeren Luftdrucks auĂen strömt Luft in die Bronchien und dringt in die LungenblĂ€schen ein. Das Surfactant reduziert die OberflĂ€chenspannung des Wassers und verhindert so das Atemnotsyndrom des Neugeborenen. Die vorhandene FlĂŒssigkeit wird eher absorbiert und via Blut abtransportiert als ausgestoĂen oder abgehustet. Ein erster Schrei bestĂ€tigt die LuftfĂŒllung der Lunge des Neugeborenen. Die UmgehungskreislĂ€ufe schlieĂen sich.
Siehe auch
:
Atemantrieb
Physiologie der Ein- und Ausatmung
â
Hauptartikel
:
Lungenventilation
Das Atmen beginnt beim Einatmen (Inspiration) in der Regel mit der Interkostalmuskulatur bzw. dem Zwerchfell. Das Zwerchfell ist der stĂ€rkste Inspirationsmuskel, bei seiner Kontraktion flacht es sich ab und drĂŒckt die Bauch- und Beckeneingeweide nach kaudal (steiĂbeinwĂ€rts), wodurch sich das Thoraxvolumen vergröĂert. Bei der Brustatmung kontrahieren sich die Musculi intercostales externi (Ă€uĂere Zwischenrippenmuskeln). Dabei wird der Brustkorb angehoben und erweitert, wodurch die Lunge, die, selbst von der Pleura visceralis (oder pulmonalis) ĂŒberzogen, ĂŒber den Pleuraspalt (Cavitas pleuralis) mit der Pleura parietalis des Brustkorbs in Verbindung steht, mitgedehnt wird. Dadurch sinkt der Druck in der Lunge. Nach gröĂeren Anstrengungen können zur erleichterten Atmung weitere Atemhilfsmuskeln beigezogen werden, z. B. der kleine und groĂe Brustmuskel. Dies machen sich Sportler nach einem intensiven Rennen zu Nutze, indem sie sich mit den Armen zum Beispiel an einer Mauer aufstĂŒtzen: ihre Arme sind dann fixiert (Punctum fixum), und somit ziehen die Brustmuskeln nicht die Arme zum Brustkorb, sondern umgekehrt den Brustkorb zu den Armen, die Rippen werden angehoben, und die Lunge fĂŒllt sich mit Luft. Nach der Druck-Volumen-Beziehung (Boyle-Mariottesches Gesetz) muss aber nun bei Ănderungen des Drucks â sofern die Nasenlöcher bzw. der Mund offen sind und mit der AuĂenwelt in Verbindung stehen â das Volumen isobar (d. h. bei gleichem Druck) zunehmen. Die Lunge fĂŒllt sich, die Inspiration ist beendet.
Bei der Zwerchfellatmung senkt sich das Zwerchfell lediglich durch Kontraktion (das Zwerchfell besteht aus Muskulatur) und bewirkt somit eine Dehnung der LungenflĂŒgel nach unten.
Die Ausatmung (Exspiration) geht zumeist passiv vonstatten, denn nach der Inspiration ist die Lunge samt Brustkorb so weit gedehnt, dass darin elastische Verformungsarbeit gespeichert ist (Ă€hnlich einer Feder, die zunĂ€chst gespannt und dann losgelassen wird), die der Lunge die âverbrauchteâ Luft austreibt. Erfolgt die Exspiration mit Beteiligung der exspiratorischen Atemhilfsmuskulatur, so spricht man von forcierter Exspiration. Dabei kontrahieren sich zunĂ€chst die Mm. intercostales interni, es können aber auch diverse andere Atemhilfsmuskeln zum Zuge kommen. Eine besondere Rolle im Zusammenhang mit der forcierten Exspiration spielt vor allem der Musculus latissimus dorsi (âHustenmuskelâ).
Mit der Atemluft eindringende Partikel setzen sich an der Schleimhaut der Atemwege ab und werden von den FlimmerhĂ€rchen in Richtung Mund transportiert und anschlieĂend verschluckt oder ausgehustet. Bis in die LungenblĂ€schen gelangende Mikropartikel können dort auch von Fresszellen aufgenommen werden.
Siehe auch
:
Lungenvolumen
und
Lungenfunktion
Erkrankungen
Siehe auch
:
Pneumologie
und
Liste der Krankheiten des Atmungssystems nach ICD-10
Lungenembolie. Bei der Lungenembolie verstopft ein Embolus eine der zufĂŒhrenden Lungenarterien und bewirkt dadurch, dass ein Lungenabschnitt nicht mehr durchblutet wird. Folglich kann in diesem Abschnitt kein Blut oxygeniert werden.
Obstruktive Lungenerkrankungen. Bei den chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (von englisch Chronic obstructive pulmonary disease, COPD) behindert eine Einengung der Atemwege den Luftstrom. Dies fĂŒhrt hĂ€ufig zu Atemnot (Dyspnoe). Wichtigster Risikofaktor ist das Rauchen, aber auch Umweltverschmutzung, ein geringes Geburtsgewicht und genetische Faktoren werden dafĂŒr verantwortlich gemacht. Zu den COPD gehören die Chronische Bronchitis und das Lungenemphysem. Ein Lungenemphysem kann sich auch aus einer erblich bedingten Stoffwechselstörung, dem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, entwickeln.
Restriktive Lungenerkrankung. Im Gegensatz dazu ist bei den restriktiven Lungenerkrankungen die FlexibilitĂ€t der Lunge eingeschrĂ€nkt (im Sinne von: EinschrĂ€nkung der Lungenbeweglichkeit). Dadurch verringern sich das Lungenvolumen und die Compliance, also die Dehnbarkeit relativ zum Druck. Hierzu gehören Sarkoidose, Pneumokoniose (Staublunge) und andere Erkrankungen, die eine Fibrose des Lungengewebes zur Folge haben, aber auch Ă€uĂere EinflĂŒsse wie Missbildungen des Brustkorbs (Kyphose, Skoliose).
Lungenödem. Lungenödem bezeichnet die Ansammlung von FlĂŒssigkeit im Lungengewebe. Dabei wird zwischen PermeabilitĂ€tsödemen (ARDS, toxisches Lungenödem), bei denen die DurchlĂ€ssigkeit der Kapillaren erhöht ist, und hydrostatischen Lungenödemen (kardiales Ădem, Höhenödem), bei dem der Druck in den Kapillaren den Druck in den Alveoli so sehr ĂŒbersteigt, dass die FlĂŒssigkeit aus den Kapillaren hinaus âgepresstâ wird, unterschieden.
Atelektase. Bei der Atelektase ist ein Lungenabschnitt kollabiert, und die Alveoli enthalten keine oder nur noch sehr wenig Luft.
Pneumothorax. Gewinnt der Pleuraspalt von innen oder auĂen Anschluss an die Luft, bricht der Unterdruck im Pleuraspalt zusammen und der entsprechende LungenflĂŒgel kollabiert. Anders als ein gĂ€nzlich fehlender LungenflĂŒgel bedeutet ein Pneumothorax einen funktionellen Rechts-links-Shunt, da ĂŒber den betroffenen LungenflĂŒgel Blut aus dem Körperkreislauf ohne wesentliche Oxygenierung wieder in den Körperkreislauf gelangt, sodass die volle SĂ€ttigung nicht erreicht werden kann.
Tuberkulose. Tuberkulose, eine Infektionskrankheit, deren Erreger Mycobacterium tuberculosis ist, wird durch Tröpfcheninfektion ĂŒbertragen und manifestiert sich zuerst in der Lunge. Auf dem Röntgenbild zeigen sich charakteristische mottenfraĂartige LĂ€sionen, welche der Erkrankung auch den Beinamen âdie Mottenâ einbrachten.
EntzĂŒndungen. EntzĂŒndungen in der Lunge werden unterschieden in Pneumonien (LungenentzĂŒndungen), bei denen das Lungengewebe betroffen ist, Bronchitis als EntzĂŒndung der Bronchien und Bronchiolitis, die EntzĂŒndung der kleinen Bronchien.
Neubildungen. Krebserkrankungen der Lunge werden als Bronchialkarzinom bezeichnet, da sie als bösartige Neubildungen entarteter Zellen der Bronchien oder Bronchiolen entstehen. Es ist eine der hĂ€ufigsten bösartigen Erkrankungen des Menschen. Laut Weltgesundheitsorganisation werden anhand der Histologie verschiedene Subtypen unterschieden: Plattenepithelkarzinome, Adenokarzinome, klein- und groĂzellige Karzinome und weitere, selten auftretende Typen. AuĂerdem finden sich in der Lunge durch ihre Filterfunktion hĂ€ufig Metastasen anderer Neubildungen. Zudem können (primĂ€re) Lungensarkome auftreten.
Bei Atemstillstand kann die Lunge â pulsierend â durch FĂŒllen mittels gering dosiertem LuftĂŒberdruck via Bronchien beatmet werden, was im Notfall oder bei Narkose der Lebenserhaltung dient.
Vogellunge
â
Hauptartikel
:
Luftsack (Vogel)
Im Gegensatz zur SĂ€ugetierlunge sind die Lungen der Vögel unbeweglich im Brustraum. Sie liegen dorsal einer Bindegewebsmembran (Septum horizontale). Das Brustfell wird zwar embryonal angelegt, bildet sich aber wieder zurĂŒck. Die Vogellunge ist nicht gelappt und vollzieht wĂ€hrend der Atmung keine VolumenĂ€nderungen, sondern wird durch LuftsĂ€cke belĂŒftet.
An der Gabelung der Luftröhre (Trachea) teilt sich das luftleitende System in die beiden Stammbronchien. Hier liegt auch das Stimmorgan der Vögel, die Syrinx. Von den Stammbronchien gehen vier Gruppen von SekundÀrbronchien (medioventrale, mediodorsale, lateroventrale und laterodorsale). Die weiteren Aufzweigungen der laterodorsalen Bronchien bezeichnet man als Neopulmo.
Von den SekundĂ€rbronchien gehen Parabronchien (Lungenpfeifen) aus. Sie sind 0,5â2 mm dick. In ihrer Wand gibt es kleine trichterförmige Ăffnungen, die in die Luftkapillaren (Pneumocapillares) fĂŒhren. Die Luftkapillaren bilden ein Netzwerk meist untereinander kommunizierender Röhren und sind das eigentliche Austauschgewebe, um das dichte Blutkapillarnetze ausgebildet sind. Im Gegensatz zu den SĂ€ugetieren handelt es sich nicht um ein blind endendes System, sondern um ein offenes Röhrensystem. Nach Durchströmen der Lunge gelangt die Luft in die LuftsĂ€cke, die wie BlasebĂ€lge fĂŒr die Ventilation (den Luftstrom) sorgen.
Siehe auch
âą Buchlunge (Spinnen)
âą Kieme
âą Lungensimulator
âą Pneumologie
âą Pneumokoniose â Staublunge, eine (meldepflichtige) Berufskrankheit
âą Thoraxchirurgie
âą Liste aller Wikipedia-Artikel, deren Titel mit Lunge beginnt
⹠Liste aller Wikipedia-Artikel, deren Titel Lunge enthÀlt
Literatur
âą Friedrich Wilhelm Gierhake, Julius Muasya Kyambi: Lunge und Pleurahöhle. In: Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang â Entwicklung â Differenzierung. Mit einem Geleitwort von Rudolf Nissen. Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle, Deisenhofen bei MĂŒnchen 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 153â163.
âą G. M. Hughes, E. R. Weibel: Morphometry of fish lungs. In: Respiration of Amphibious Vertebrates. Academic Press, London 1976, ISBN 0-12-360750-7.
âą Leo Mohr, Rudolf Staehelin und andere (Hrsg.): Handbuch der inneren Medizin. 5. Auflage, Springer-Verlag, 4. Band: Erkrankungen der Atmungsorgane.
âą Teil 1: Pneumokoniosen (Hrsg. Wolfgang T. Ulmer, G. Reichel), 1976
âą Teil 2: Bronchitis, Asthma, Emphysem (Hrsg. Wolfgang T. Ulmer), 1979
âą Teil 3: Lungentuberkulose (Heinrich Jentgens), 1981
âą Teil 4: Tumore der Atmungsorgane und des Mediastinums (Friedrich Trendelenburg u. a.), 1985: A: Allgemeiner Teil, XVI, 429 Seiten, ISBN 978-3-540-15018-3; B: Spezieller Teil, XVIII, 678 Seiten, ISBN 978-3-540-15099-2.
âą Franz-Viktor Salomon: Atmungsapparat. In: Salomon u. a. (Hrsg.): Anatomie fĂŒr die Tiermedizin. 2., erw. Auflage. Enke, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8304-1075-1, S. 324â367.
âą Theodor Heinrich Schiebler, W. Schmidt (Hrsg.): Lehrbuch der gesamten Anatomie des Menschen. Cytologie, Histologie, Entwicklungsgeschichte, Makroskopische und Mikroskopische Anatomie. 3. Auflage. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg/New York/Tokyo 1983, ISBN 3-540-12400-4, S. 423â429.
âą Gerhard Thews: Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen. Wissenschaftliche Verlags-Gesellschaft, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8047-2342-9.
Weblinks
Commons
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Einzelnachweise
cite-note-11. â T. H. Schiebler, W. Schmidt (Hrsg.): Lehrbuch der gesamten Anatomie des Menschen. Cytologie, Histologie, Entwicklungsgeschichte, Makroskopische und Mikroskopische Anatomie. 1983, S. 424 (Lungen des Erwachsenen).
cite-note-22. â Lunge. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 29. Juli 2019
cite-note-44. â Klaus Holldack, Klaus Gahl: Auskultation und Perkussion. Inspektion und Palpation. Thieme, Stuttgart 1955; 10., neubearbeitete Auflage ebenda 1986, ISBN 3-13-352410-0, S. 71 f.
cite-note-55. â Ernst Kern: Sehen â Denken â Handeln eines Chirurgen im 20. Jahrhundert. ecomed, Landsberg am Lech 2000, ISBN 3-609-20149-5, S. 164.
cite-note-frick-66. â Hans Frick, Helmut Leonhardt, Dietrich Starck: Spezielle Anatomie (= Taschenlehrbuch der gesamten Anatomie. Band 2). 4., ĂŒberarb. Auflage. Band 2. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-13-356904-X, S. 68.